Als Sträflinge und Piraten verkleidete Familienväter signalisierten mir auf dem Weg zum Supermarkt, dass sich Kessenich für den jährlichen Karnevalsumzug bereit macht.

 Die Sprößlinge besagter Herren schauten vergnügt als Marienkäfer, Bienchen und Zwerg aus dem Bollerwagen heraus. Die Mütter machten sich etwas rar, sie bildeten wahrscheinlich die Nachhut mit der notwendigen Verpflegung. Dass Kostüme wie Pirat und Häftling zu den Dauerbrennern zählen, kann man jedes Jahr beobachten, aber erst angesichts der nächsten Familienangehörigen fing ich an zu überlegen, ob womöglich hinter den gewählten Kostümen eine tiefere Botschaft steckt. Der engagierte Vater und Ehemann gefangen zwischen Beruf und Familie? Und signalisiert der Pirat und Freibeuter womöglich, dass er sich im tiefsten Inneren nach einem Aufbruch zu neuen Ufern sehnt?

Da diese Überlegungen nicht unbedingt zu Gunsten der fröhlich grinsenden Marienkäfer, Bienchen und Zwerge ausfielen, verwarf ich diese Gedanken wieder. Nicht zuletzt, weil mir plötzlich einfiel, dass ich vor einigen Jahren unbedingt als Möhre die Schar der Narren beglücken musste. Nachdem dann mehrmals in Folge das bewährte Clownkostüm zum Einsatz kam, musste es auf einmal Efeu sein. Krokodil und Zahnfee befinden sich auch in der Kostümkiste. Die Interpretation dieser Verkleidungen überlasse ich getrost anderen. Da mir das Karnevalsgen als nicht gebürtige Rheinländerin fehlt, stürze ich mich nur in größeren Abständen in den Straßenkarneval, habe dann jedoch ein ausgesprochenes Vergnügen an der zeitlich begrenzten Verwandlung. Und eigentlich reicht das doch. Der Spaß an der Freude etwas oder jemand anderes zu sein.